Zukunftsfähiges Regionalbusangebot im Landkreis Augsburg

Neue Linienbündelausschreibungen folgen den bisherigen Ergebnissen der Diskussionen im Rahmen der Fortschreibung des Nahverkehrsplans

Zu dem anstehenden Fahrplanwechsel am 13. Dezember 2026 ist eine Neuvergabe von Verkehrsverträgen für die beiden Linienbündel Holzwinkel und Westliche Wälder des westlichen Landkreises Augsburg notwendig.

Für die rechtzeitige Bestellung des Busverkehrs, beschäftigte sich der Kreisausschuss des Landkreises Augsburg in der Sitzung vom 22. Juli 2024 deshalb wiederholt mit der Frage, wie das künftige Regionalbusangebot aussehen soll und unter dem Finanzierungsaspekt gestaltet werden kann. Um das Vergabeverfahren rechtzeitig zu starten, ist die Veröffentlichung der Vorabbekanntmachung im Herbst 2024 geplant.

Kostensteigerung im Regionalbusverkehr

Wie in vielen Bereichen sind die Preisteuerungen in den letzten Jahren auch am Regionalbusverkehr nicht spurlos vorbeigegangen. Von 2015 bis 2023 sind die Kosten eines jeden Fahrplankilometers im Jahresdurchschnitt des betrachteten Zeitraums um 4,5% gestiegen. Die größten Steigerungsraten sind in den Bereichen Fahrzeuganschaffung, Kraftstoff und Fahrpersonal zu verzeichnen gewesen. Die jährliche Kostensteigerung des AVV-Regionalbusverkehrs liegt dabei noch unterhalb der branchenüblichen durchschnittlichen Steigerungsraten.

Zukunftsfähiger Nahverkehr im Landkreis Augsburg

Die immer weiter steigenden Kosten des bereits hochdefizitären Betriebs des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) stellen eine Herausforderung für den Landkreis dar. Bei bereits angespannter Haushaltslage ist zudem keine bedeutend bessere finanzielle Ausstattung durch Land und Bund zu erwarten. Unter diesen Rahmenbedingungen soll ein flächendeckendes, deutlich attraktiveres und zukunftsfähiges Nahverkehrsangebot geschaffen werden, welches dabei gleichzeitig die gesteckten Klimaziele im Verkehrssektor erfüllt. Diese Verzahnung der Zielsetzungen soll durch die Fortschreibung des Nahverkehrsplans durch den Augsburger Verkehrs- und Tarifverbund (AVV) erreicht werden.

Verdopplung der Fahrgastzahlen im ÖPNV bis 2030

Ein Ziel, welches durch die Fortschreibung des Nahverkehrsplans möglichst erreicht werden soll, ist die von Bund und Land gesetzte Zielmarke der Verdopplung der Fahrgastzahlen im ÖPNV bis 2030 im Vergleich zum Referenzjahr 2019. Zu dem ÖPNV in der Region zählen neben Tram und Bus auch der Schienenpersonennahverkehr (SPNV). Damit eine solche Zunahme der Fahrgastzahlen gelingt, muss der ÖPNV künftig deutlich attraktiver und effizienter gestaltet werden. In zahlreichen Steuerungskreisen und Arbeitsgruppen wird sich deshalb intensiv mit der Gestaltung des ÖPNV und der Fortschreibung des Nahverkehrsplans auseinandergesetzt.

„Starke Achsen“ stärken & flächendeckende flexible On-Demand-Angebote

Zur Erreichung der Ziele setzen die bisherigen Diskussionen im Rahmen der Fortschreibung des Nahverkehrsplans auf die Identifizierung und Stärkung von „sehr starken“ und „starken“ Busachsen, auf welchen künftig ein hoher Bedienstandard gewährleistet werden soll. „Schwache Achsen“ hingegen kommen auf den Prüfstand. Insbesondere dort, wo die Analyse zu einer Ausdünnung des bisherigen Linienangebots führen würde, soll mit einem attraktiven und flexiblen On-Demand Verkehr für den gesamten Raum ein flächendeckendes Nahverkehrsangebot geschaffen werden. Die Ausweitung des On-Demand Verkehrs zu einem mindestens gleichwertigen Angebot zum bisher bestehenden Linienbusangebot gilt als Voraussetzung für die Neuausrichtung des Regionalbusangebots. Zum Teil als Pilot-Projekt gestartet, ist der AktiVVo bereits heute ein gut angenommenes Angebot sowie ein wichtiger Baustein für die künftige Mobilität im Landkreis Augsburg.

Entscheidungen des Kreisausschusses für die Linienbündelausschreibungen für die beiden Verkehrsverträge Holzwinkel und Westliche Wälder folgen bisherigem Diskussionsstand im Rahmen der Fortschreibung des Nahverkehrsplans

Einstimmt beschloss der Kreisausschuss in der Sitzung vom 22. Juli 2024 dem bisher zugrunde liegenden Konzept zu folgen und die „starken Achsen“ zu stärken sowie die „schwachen Achsen“ alternativ zum bisherigen Linienangebot mit einem flächendeckendem flexiblen On-Demand Verkehr, dem AktiVVo, zu ersetzen. Für die GRÜNE Fraktion waren die Fraktionsvorsitzende Silvia Daßler und Kreisrat Marwin Hillenbrand in der Sitzung vertreten. „Wir wollen mehr Fahrgästen den Umstieg auf den ÖPNV ermöglichen und gleichzeitig die Finanzierbarkeit im Blick behalten. Das wird nur gelingen, wenn wir „starke Achsen“ weiter stärken und ausbauen und Linien, die fast keine Fahrgäste haben durch flexible Angebote ersetzen“, so Silvia Daßler. Weiter: „Mit den aktuell angebotenen Linienverkehren in der Fläche ist oft der Vorwurf verbunden, „nur heiße Luft zu transportieren“ was durch Fahrgastzählungen durchaus bestätigt wird. Das zeigt uns, dass das jetzige Angebot weder klimafreundlich noch fahrgastfreundlich ist und wir so weder eine Verdopplung der Fahrgastzahlen bis 2030 noch die vereinbarten Klimaschutzziele erreichen können. Deshalb unterstützen wir eine Veränderung der Busverkehre hin zu flexiblen, flächendeckenden Fahrangeboten.“

Reduzierung des Linienverkehres um bis zu rund 55 % ab 2026

Für eine durchgängig konsequente Neuausrichtung des künftigen Regionalbusangebots folgte der Kreisausschuss, der am weitest reichenden Empfehlung des AVV, mit der Konsequenz, dass das bisherige Linienbusangebot deutlich reduziert und künftig meist nur noch zu Schulverkehrszeiten bedient wird. Mit Ausnahme der „starken Achsen“, wie z.B. die Linie 501 im Bündel Holzwinkel, entfällt zudem die Wochenendbedienung durch Linienbusse vollständig. Für das Linienbündel Holwinkel bedeutet das eine Reduzierung von ca. 30% der jährlichen Fahrplankilometer im Linienverkehr, im Bündel Westliche Wälder ca. 55%. Die entfallenen Linienbuskilometer werden durch die Ausweitung des AktiVVo´s nicht nur kompensiert, sondern sollen für ein flexibleres, flächendeckendes und attraktiveres Nahverkehrsangebot sorgen.

Geplante Änderungen zum Fahrplanwechsel im Dezember 2026 für das Linienbündel Holzwinkel

Die Linie 501 wurde bis nach Welden als „starke Achse“ identifiziert und wird als solche in der Fortschreibung des Nahverkehrsplans berücksichtigt. Der Abschnitt der Linie 501 von Welden nach Wertingen hingegen gilt als „schwache Achse“ und wird daher nur im Stundentakt bedient. Die Linien 403 und 502 werden künftig als Basisangebot ausschließlich während des Schulbetriebs von Montag bis Freitag verkehren. Am Wochenende wird die Linie 501 lediglich samstags bis Aystetten bedient. Der Nachtbusverkehr auf der Linie 592N bleibt von diesen Änderungen unberührt.

Geplante Änderungen zum Fahrplanwechsel im Dezember 2026 für das Linienbündel Westliche Wälder

Im Bündel der Westlichen Wälder ist eine noch deutlichere Reduzierung des Linienbusangebots vorgesehen. So wird die Linie 401x (zusätzliche Fahrten der Linie 401 in den Abendstunden) vollständig eingestellt. Die Linien 401 und 402 werden auf die Zeiten der Schülerbeförderung beschränkt und verkehren somit nicht mehr an Wochenenden oder während der Schulferien.

Flächendeckender und attraktiver AktiVVo als Voraussetzung für Reduzierung des Linienbusverkehrs

„Die Reduzierungen des bisherigen Linienbusverkehrs soll zu keiner Verschlechterung des Nahverkehrsangebots führen, sondern vielmehr ein zukunftsfähiges, finanziell tragbares und auf die Bedürfnisse bedarfsgerecht zugeschnittenes Mobilitätsangebot sein“, so Marwin Hillenbrand. Der Rufbus 415 mündet künftig im AktiVVo Westliche Wälder, welcher ab dem Fahrplanwechsel Ende 2026 das gesamte Gebiet des Verkehrsvertrags Westliche Wälder bedienen soll und somit den knapp 72.000 Einwohnerinnen und Einwohnern zur Verfügung stehen wird. Parallel dazu soll der seit Juni 2023 betriebene AktiVVo Holzwinkel-Roth-Zusamtal ab 2026 um die Gebiete Horgau, Dinkelscherben sowie Wertingen und somit das gesamte Gebiet des Verkehrsvertrags Holzwinkel erweitert werden. In beiden Verkehrsgebieten sollen zudem die Bedienzeiten des AktiVVo angepasst und erweitertet werden, um den nicht weiter erfolgenden Linienbetrieb und dessen Bedienzeiten adäquat zu ersetzen. Die Bedienzeiten des AktiVVo sollen künftig Montag bis Freitag von 05:00 bis 21:00 Uhr und Samstag und Sonntag von 08:00 bis 18:00 Uhr erfolgen.

Ein finanziell tragbares Regionalbusangebot – Bund und Land müssen mehr tun

Die Verkehrswende, Klimaschutzziele im Verkehrssektor und die Schaffung eines tatsächlich attraktiven Nahverkehrsangebot machen eine Umgestaltung des Nahverkehrsangebots nötig. Gleiches gilt für die immer größer werdende Herausforderung der Finanzierung des Angebots. Das vom Landkreis Augsburg anteilig getragene Defizit beläuft sich inzwischen auf jährlich rund 15 Millionen Euro, Tendenz steigend. Der Handlungsdruck ist dementsprechend groß. Mit den Weichenstellungen zum Fahrplanwechsel Ende 2026 soll dem nachhaltig begegnet werden. Die Belastungen des Kreishaushaltes sind jedoch auch mit den Entscheidungen für die beiden Verkehrsverträge Westliche Wälder und Holzwinkel groß. „Deutlich wird bei den geführten Diskussionen erneut, dass die Frage der unzureichenden Bund-Land-Finanzierung des ÖPNV, der nach wie vor eine „freiwilligen Leistung“ ist, den Landkreis weiterhin beschäftigen wird“ sind sich Silvia Daßler und Marwin Hillenbrand einig.

(von Marwin Hillenbrand und Silvia Daßler)

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