In der jüngsten Sitzung des Umwelt- und Energieausschusses standen wichtige Entscheidungen und Berichte zu Umwelt- und Klimaschutzthemen im Landkreis Augsburg auf der Tagesordnung. Wir geben einen Überblick über die zentralen Punkte und die Position der Grünen Kreistagsfraktion.
Kreislehrgarten: Gute Idee mit Finanzierungshürden
Die Verwaltung stellte das Konzept eines Kreislehrgartens als Bildungsstätte für Umwelt- und Naturschutzthemen vor. Dieser soll zur Umsetzung der Bildungsziele des Volksbegehrens “Rettet die Bienen” beitragen und praktische Angebote für Landwirte, Schulen und Bürger:innen schaffen. Für die Realisierung wären mindestens 6000 m² Fläche sowie ein Veranstaltungsgebäude erforderlich.
Angesichts der angespannten Haushaltslage des Landkreises – für 2025 sind lediglich 2.000 € für das Projekt vorgesehen – beauftragte der Ausschuss die Verwaltung, verschiedene Szenarien mit unterschiedlichen Kostenrahmen auszuarbeiten. Von der großen Lösung bis hin zu Kooperationsmodellen mit Gartenvereinen sollen alle Optionen geprüft werden.
Als Grüne Fraktion unterstützen wir die Idee eines Kreislehrgartens grundsätzlich, sehen jedoch die finanzielle Umsetzbarkeit in der aktuellen Haushaltslage kritisch. Kleinere Lösungsansätze könnten jedoch durchaus realisierbar sein. Eine endgültige Positionierung werden wir erst nach Vorlage der detaillierten Kosten- und Folgekosten-Berechnungen sowie in Kenntnis der Haushaltslage 2026 vornehmen.
Energiebericht 2024: Positive Entwicklung bei Landkreisliegenschaften
Der vorgestellte Energiebericht 2024 zeigt erfreuliche Trends: Trotz steigender Schüler- und Mitarbeiterzahlen bleibt der Stromverbrauch in den Landkreisliegenschaften stabil, während der Wärmeverbrauch sogar den niedrigsten Wert seit 2018 erreicht hat. Auf unsere Nachfrage hin erläuterte die Verwaltung, dass insbesondere der hydraulische Abgleich der Heizkörper zu den Einsparungen beigetragen hat – ein Beispiel dafür, wie vergleichsweise einfache Maßnahmen große Wirkung erzielen können.
Positiv zu vermerken ist auch der zunehmende Anteil von Elektro- und Hybridfahrzeugen im Fuhrpark des Landkreises. Zukünftig soll der Ausbau von Photovoltaikanlagen weiter vorangetrieben und ein verpflichtendes Energiemonitoring gemäß Energieeffizienzgesetz bis Juni 2026 eingeführt werden.
Initiative “A³ klimaneutral”: Landkreis mit Vorbildfunktion
Das Landratsamt Augsburg beteiligt sich seit Ende 2022 mit seinem Hauptgebäude an der Initiative “A³ klimaneutral”, die von der Regio Augsburg Wirtschaft GmbH koordiniert wird. Ziel ist die Klimaneutralität bis 2030. Die jährlichen Kosten von rund 3.270 € bringen Vorteile wie fachliche Unterstützung, Netzwerkbildung und nicht zuletzt eine wichtige Vorbildfunktion für andere Einrichtungen und Unternehmen in der Region.
Die Grüne Fraktion hat in der Ausschusssitzung nachgefragt, welche Kompensationsmaßnahmen ab 2030 geplant sind, wenn die verbleibenden Emissionen ausgeglichen werden müssen. Bislang gibt es dazu noch keine konkreten Planungen. Wir haben angeregt, zunächst alle Einsparpotenziale auszuschöpfen, um die späteren Kompensationskosten zu minimieren. Zudem haben wir vorgeschlagen, Kompensationsprojekte im Landkreis selbst zu realisieren, damit die finanziellen Mittel in der Region bleiben.
Klima-Check: Rückschritt bei der Klimafolgenabschätzung
Ein Rückschlag für den Klimaschutz: Der Umwelt- und Energieausschuss hat mit Mehrheit beschlossen, den bisher verpflichtenden Klima-Check für Beschlussvorlagen in eine freiwillige Maßnahme umzuwandeln. Fünf Ausschussmitglieder (SPD, Grüne, ÖDP) stimmten für die Beibehaltung der Verpflichtung, konnten sich jedoch nicht durchsetzen. Die anderen Ausschussmitglieder begründeten die Abschaffung mit der Verringerung der Bürokratie.
Als Grüne Fraktion haben wir uns nachdrücklich für den Erhalt des verbindlichen Klima-Checks eingesetzt. Die Verwaltung selbst hatte von positiven Lerneffekten berichtet und den Zeitaufwand als gering eingeschätzt. Die Abschaffung der Verpflichtung steht im Widerspruch zur notwendigen Stärkung des Klimaschutzes und zur Vorbildfunktion des Landkreises.
Zusammengefasst:
- Seit 2020 sollen alle Beschlussvorlagen des Landkreises einem Klima-Check unterzogen werden.
- Aufgrund eines früheren Vertagungsbeschlusses wurde eine kleine Evaluation bei den bereits geschulten Fachbereichen durchgeführt. Die Ergebnisse werden nun präsentiert.
- Ziel ist es, die bisherigen Erfahrungen systematisch zu nutzen und den Beschluss von 2020 zu ersetzen
- Die Klimawirksamkeitsprüfung (KWP) soll eingeführt werden (Wunsch der Verwaltung)
- Fachbereich Klimaschutz schult andere Fachbereiche in der Anwendung
- Es entstehen sehr positive Lerneffekte durch die Beschäftigung mit dem Klimacheck
- Aufwand beläuft sich auf wenige Minuten, wenn Beschlussvorlage keine Klimarelevanz hat und auf wenige Minuten bis ca. 20 Minuten, wenn Klimarelevanz vorhanden ist.
Klimaschutzcontrolling: Erfolge und Herausforderungen
Die vorgestellten Indikatoren des Klimaschutzcontrollings zeigen Licht und Schatten: Im Stromsektor hat sich der Anteil erneuerbarer Energien seit 2008 nahezu versechsfacht – ein deutlicher Erfolg. Allerdings stagniert der Windkraftausbau auf niedrigem Niveau. Im Wärmesektor bleibt der Anteil von Gasheizungen in Neubauten weiterhin hoch, während die Fernwärme kaum Zuwächse verzeichnet. Im Verkehrssektor steigt die PKW-Dichte weiter an – ein klares Zeichen, dass wir in der Verkehrswende noch am Anfang stehen.
Wir Grüne setzen uns dafür ein, bei der anstehenden Überarbeitung des Klimaschutzkonzepts messbare Indikatoren einzuführen, die den Fortschritt auf dem Weg zur Klimaneutralität in allen Sektoren transparent machen. Nur mit klaren Kennzahlen und regelmäßigem Monitoring können wir sicherstellen, dass unsere Maßnahmen wirksam sind und rechtzeitig nachsteuern.
Mitfahrplattform “fahrmob.eco”: Potenzial für die Verkehrswende
Die im September 2024 gestartete Mitfahrplattform “fahrmob.eco” zeigt erste Erfolge, hat jedoch noch erhebliches Ausbaupotenzial. Mit derzeit rund 270 registrierten Nutzern konnten bereits 1.100 Kilometer an Individualfahrten eingespart werden. Angesichts der täglich etwa 420.000 PKW-Fahrten im Landkreis Augsburg verdeutlicht dies sowohl die Notwendigkeit als auch das enorme Potenzial für gemeinschaftliche Mobilitätskonzepte.
Die Grüne Kreistagsfraktion unterstützt nachdrücklich die geplante Intensivierung der Öffentlichkeitsarbeit und die verstärkte Ansprache regionaler Unternehmen. Das Sharing-Modell hat großes Potenzial in der betrieblichen Mobilität. Wenn Mitarbeitende ihre Arbeitswege gemeinsam zurücklegen, profitieren Umwelt, Verkehrsinfrastruktur und letztlich auch die Pendlerinnen und Pendler selbst.
Die Kreistagsfraktion der Grünen wird das Projekt weiterhin konstruktiv begleiten und setzt sich für eine nachhaltige Weiterentwicklung der Plattform ein. Das ursprüngliche Ziel des Mobilitätskonzeptes – Mobilität für alle bei gleichzeitiger Reduktion verkehrsbedingter Emissionen – bleibt dabei handlungsleitend.
Kommunale Klimapartnerschaft: Unser Antrag zeigt Wirkung
Auf Initiative der Grünen Fraktion hat der Landkreis die Möglichkeiten für kommunale Klimapatenschaften geprüft und einen praktikablen Weg gefunden. Statt alles zentral zu steuern, wird der Fachbereich Klimaschutz und Mobilität die Gemeinden direkt bei ihren Klimapartnerschaften unterstützen. Dies ist sinnvoll, da Projekte wie Wissenstransfer in Bereichen wie Feuerwehr und Kläranlage nur von Kommunen ausgehen können. Ebenso werden Fachkräfte, die aus den Partnerregion zu uns kommen, vor allem in den jeweiligen Gemeinden benötigt.
Bereits jetzt gibt es tolle Beispiele in unserem Landkreis: Gersthofen pflegt eine Partnerschaft mit einer Region in Kenia, und Schwabmünchen ist auf einem guten Weg, eine eigene Klimapartnerschaft aufzubauen.
Als GRÜNE setzen wir uns dafür ein, dass alle Gemeinden im Landkreis die Chance bekommen, von diesen Fördermöglichkeiten zu profitieren. Der Landkreis wird bei der Antragstellung für Fördermittel unterstützen und so Synergieeffekte schaffen.
Klimagerechtigkeit bedeutet: Wir übernehmen Verantwortung für unseren CO2-Fußabdruck und helfen anderen Regionen, die am stärksten unter der Klimakrise leiden!