Kreistagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen spricht sich gegen weitere Planungsverzögerungen aus
Landkreis Augsburg – Schwer zu schlucken hatten nicht nur die Mitglieder des Bauausschusses (BA), auch die Fraktionsvorsitzenden waren von der Kostenentwicklung bei den Beruflichen Schulen in Neusäß mehr als überrascht. Obwohl der BA der Kostensteigerung zähneknirschend zugestimmt hatte, blieben bei den Fraktionsvorsitzenden einige Zweifel, ob die Baumaßnahme so bestehen kann. Dennoch war man als grüne Kreistagsfraktion dann doch sehr darüber verwundert, dass in der vergangenen Woche der Landkreis Augsburg die momentanen Planungen zum Neubau des Staatlichen Beruflichen Schulzentrums in Neusäß vorübergehend quasi “auf Eis” gelegt hat.
Nach Abwägung aller Argumente kam die Kreistagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen nun zu dem Schluss, dass eine Überarbeitung der Pläne in diesem fortgeschrittenen Planungsstadium weitere Verzögerungen bedeuten, die für die Betroffenen vor Ort nicht mehr hinnehmbar sind. „Zu lange schon haben die Grünen eine bauliche Erweiterung des Berufschulzentrums gefordert, die in der Vergangenheit von der Mehrheitsfraktion immer abgelehnt wurde“ so Ursula Jung, Fraktionsvorsitzende der Kreisgrünen.
Wir erinnern dabei an die unzähligen Klassen, die in Containern beschult werden. Diese Tatsache war nur als Übergangslösung zu verantworten und jetzt hilft auch kein Wenn und Aber mehr: Der Bau muss kommen – und zwar schnellstmöglich.
„Am Gymnasium Königsbrunn kam bei der Sanierung der Passivhausstandard zum Tragen. Nun darf es bei einem Neubau, der ein Leuchtturmprojekt werden soll, keinen energetischen Rückschritt geben“, ergänzt Joachim Schoner, der auch für die Grünen den Architektenwettbewerb begleitete. „Diese Bauweise wird nach Planung des Gesetzgebers ab 2018 verpflichtend und es kann ja wohl nicht sein, dass der Landkreis eine Schule baut, die wenige Jahre nach Fertigstellung theoretisch schon einen energetischen Sanierungsfall darstellt, außerdem rechnen sich die Mehrkosten für diese Bauweise über die Betriebszeit durch geringere Energiekosten“, so Schoner. Vor allem neue Schulen sollen in die Zukunft gerichtet sein. Niedrige Betriebskosten sind angesichts steigender Energiepreise äußerst wichtig.
Kostentreiber ist nach unserer Ansicht nicht der Passivhausstandard, vielmehr wurde bei der ersten Planung nicht berücksichtigt, dass das Schulzentrum viele verschiedene Schultypen beherbergt, wie die Berufsober- und Fachoberschulen, Berufsschulen und Berufsfachschulen. „Diese Schule ist mehr, als nur ein Gymnasium oder nur eine Realschule“ meint Paul Reisbacher. „Moderne Unterrichtsmethoden mit Lernlandschaften sind ebenso wichtig wie zeitgemäßer, energetischer Standard. Deshalb darf die Raumplanung keinesfalls dem Rotstift zum Opfer fallen“, das ist vor allem Alexander Kolb ein großes Anliegen, der an den Beruflichen Schulen Neusäß unterrichtet, und weiß von was er spricht.
Der Kreistag hat über die Jahre hinweg eine Prioritätenliste im Bildungsbereich erarbeitet. Der Neubau des Berufsschulzentrums in Neusäß steht dabei fraktionsübergreifend an vorderster Stelle.
„Natürlich haben wir Grüne KommunalpolitikerInnen die Investitionskosten im Blick und wir legen Wert auf eine sparsame Haushaltsführung, doch es muss auch irgendwann aufgearbeitet werden, was jahrelang auf die lange Bank geschoben wurde“, so Ursula Jung. Die längst überfälligen Schulsanierungen bzw. Schulneubauten müssen endlich angegangen und der Neubau des Staatlichen Beruflichen Schulzentrums muss zügig realisiert werden. Weitere Verzögerungen verschleppen die Probleme nur in die Zukunft und schaden dem Bildungsstandort der ganzen Region.
Ursula Jung, Fraktionsvorsitzende
Silvia Daßler, Eva Rößner, Paul Reisbacher, Hannes Gröninger, Joachim Schoner, Alexander Kolb